J. P. Eckermann, Gespräche mit Goethe

Sieben analytische Gespräche über Goethes "Novelle" (6)

Eckermann, Gespräche mit Goethe
Sieben Gespräche über Goethes "Novelle" (6)

"Das geheime Gewebe einer vollendeten Komposition"

Donnerstag den 10. März 1831.

Ich las heute mit dem Prinzen1) Goethes Novelle vom Tiger und Löwen, worüber der Prinz sehr glücklich war, indem er den Effekt einer großen Kunst empfand, und ich nicht weniger glücklich, indem ich in das geheime Gewebe einer vollendeten Komposition deutlich hineinsah. Ich empfand daran eine gewisse Allgegenwart des Gedankens, welches daher entstanden sein mag, dass der Dichter den Gegenstand so viele Jahre in seinem Innern hegte und dadurch so sehr Herr seines Stoffes ward, dass er das Ganze wie das Einzelne in höchster Klarheit zugleich übersehen und jede einzelne Partie geschickt dahin stellen konnte, wo sie für sich notwendig war und zugleich das Kommende vorbereitete und darauf hinwirkte. Nun bezieht sich alles vorwärts und rückwärts und ist zugleich an seiner Stelle recht, so dass man als Komposition sich nicht leicht etwas Vollkommeneres denken kann. Indem wir weiter lasen, empfand ich den lebhaften Wunsch, dass Goethe selbst dieses Juwel einer Novelle als ein fremdes Werk möchte betrachten können. Zugleich bedachte ich, dass der Umfang des Gegenstandes grade ein sehr günstiges Maß habe, sowohl für den Poeten, um alles klug durcheinander zu verarbeiten, als für den Leser, um dem Ganzen wie dem Einzelnen mit einiger Vernunft wieder beizukommen.

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Eckermann, Gespräche mit Goethe [Überschrift und Nummerierung vom Herausgeber eingefügt.]
1) Eckermann war seit Dezember 1829 Lehrer des Weimarer Erbprinzen und späteren Großherzogs Carl Alexander für deutsche und englische Literatur.

Literatur

Helmuth Hinkfoth
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Eine grundlegende
Biografie
Grundlegende Eckermann-Biographie Erzählung: Am Haken des Lebens
Helmuth Hinkfoth
Eckermanns Leben in
einer einfühlsamen
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Erzählung
Eine anregende Eckermann-Biographie
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