
Winsen (Luhe), im Jahre 1156 erstmals urkundlich erwähnt, ist eine Kreisstadt am Rande der Elbniederung. Bedeutende verwaltungspolitische oder wirtschaftliche Bedeutung hat die Stadt aufgrund ihrer Nähe zu Hamburg und Lüneburg nie gehabt. Zu Eckermanns Kindheitstagen − er wurde 1792 in der Winsener Marktstraße geboren − lebten in Winsen rund 1.200 Menschen, viele von ihnen Fuhrleute, Handwerker, Schiffer oder Tagelöhner. Um einigermaßen auskömmlich leben zu können, bewirtschaftete ein Teil der Bürger nebenher ein bisschen Ackerland und hielt in geringer Zahl Nutztiere.
Im Jahre 2026 hatte Winsen einschließlich der eingemeindeten Nachbardörfer rund 37.000 Einwohner. Als sog. Mittelzentrum ist es Sitz der Verwaltung des Landkreises Harburg, eines Amtsgerichts, eines Kreiskrankenhauses, zahlreicher Schulen und sozialer Einrichtungen sowie einer Vielzahl kleiner und mittelständischer Handels- und Gewerbebetriebe. In den Randgemeinden spielen Landwirtschaft und Handwerk, aber auch Obst- und Gemüseanbau noch eine wesentliche Rolle.
O Elb', an deinen Ufern aufgewachsen,
In deinen Buchten, deinen grünen Ebnen ...
Ich seh' die Elbe, wie sie glänzend wallt,
Den stolzen prächt'gen Strom, von solcher Breite,
dass starkes Rufen kaum hinüberschallt
Vom Strande hüben bis zur andern Seite.
Es fehlt dem Strande nicht an Schilf und Weiden,
An Netzen nicht, die in der Sonne hängen,
An heitern Dörfern nicht zu beiden Seiten,
Wo Schiffe ruh'n, woran sich Kähne drängen;
Hier ist der Frösche, hier der Störche Land,
Die jedes Jahr, sobald der Sommer kehret,
Vom fernen Nil den Flug hieher gewandt;
Auf Dächern friedlich siehst du Nest bei Neste,
Und jeder liebt die rotgebeinten Gäste.
Einsam zu Fuß geh'ich die kurze Strecke
Des Deiches Krümmung nach, dass nichts
mich störe.
Nun, bei des Nachbardorfes letzter Ecke,
Liegt vor mir frei die Stadt, der ich gehöre;
Das Schloss erglänzt im Schein der Abendsonne, −
Wie fass' ich all' die langentbehrte Wonne.
Und du, der Kindheit Fluss, geliebte Luh'!
Lass mich die Hand mit deinem Wasser kühlen!
Wie sonst auf klarem Sande fließest du, −
O könnt' ich wieder mich als Knabe fühlen!
Die Sonne sinkt hinunter still und groß,
Da bleibt kein Trost, als innig mich versenken
In meiner Kinderzeit beglückte Stunden
Und jenes bunten Lebens zu gedenken,
Das rückwärts unerreichbar mir entschwunden.
O süßer Traum! − Was ich als Knabe sah,
Ist meinem Geist lebendig wieder nah.
Der Tag mit seinem Leben will sich neigen.
Der müde Wandrer, lang' umhergetrieben,
Ruht bald erquickt am Herzen seiner Lieben.