Winsen (Luhe) − Eckermanns Heimat

Winsen a.d. Luhe um 1650
Winsen a.d. Luhe um 1650
«Stättlein Winsen an der Luhe»
Kupferstich von Merian, ca. 1650

Winsen (Luhe), im Jahre 1156 erstmals urkundlich erwähnt, ist eine Kreisstadt am Rande der Elbniederung. Bedeutende verwaltungspolitische oder wirtschaftliche Bedeutung hat die Stadt aufgrund ihrer Nähe zu Hamburg und Lüneburg nie gehabt. Zu Eckermanns Kindheitstagen − er wurde 1792 in der Winsener Marktstraße geboren − lebten in Winsen rund 1.200 Menschen, viele von ihnen Fuhrleute, Handwerker, Schiffer oder Tagelöhner. Um einigermaßen auskömmlich leben zu können, bewirtschaftete ein Teil der Bürger nebenher ein bisschen Ackerland und hielt in geringer Zahl Nutztiere.

Im Jahre 2026 hatte Winsen einschließlich der eingemeindeten Nachbardörfer rund 37.000 Einwohner. Als sog. Mittelzentrum ist es Sitz der Verwaltung des Landkreises Harburg, eines Amtsgerichts, eines Kreiskrankenhauses, zahlreicher Schulen und sozialer Einrichtungen sowie einer Vielzahl kleiner und mittelständischer Handels- und Gewerbebetriebe. In den Randgemeinden spielen Landwirtschaft und Handwerk, aber auch Obst- und Gemüseanbau noch eine wesentliche Rolle.

 

Ein poetischer Rundgang durch Eckermanns Winsen

inspiriert durch sein Gedicht «Die Heimat»

O Elb', an deinen Ufern aufgewachsen,
In deinen Buchten, deinen grünen Ebnen ...

Elbwatt bei Winsen-Laßrönne

Ich seh' die Elbe, wie sie glänzend wallt,
Den stolzen prächt'gen Strom, von solcher Breite,
dass starkes Rufen kaum hinüberschallt
Vom Strande hüben bis zur andern Seite.

Der Elbstrom zwischen Winsen-Hoopte und Zollenspieker

Es fehlt dem Strande nicht an Schilf und Weiden,
An Netzen nicht, die in der Sonne hängen,
An heitern Dörfern nicht zu beiden Seiten,
Wo Schiffe ruh'n, woran sich Kähne drängen;

Bucht am Elbufer

Hier ist der Frösche, hier der Störche Land,
Die jedes Jahr, sobald der Sommer kehret,
Vom fernen Nil den Flug hieher gewandt;
Auf Dächern friedlich siehst du Nest bei Neste,
Und jeder liebt die rotgebeinten Gäste.

Storchennest in der Elbmarsch bei Winsen

Einsam zu Fuß geh'ich die kurze Strecke
Des Deiches Krümmung nach, dass nichts
mich störe.

Luhe-Deich zwischen Winsen und dem Nachbardorf Stöckte

Nun, bei des Nachbardorfes letzter Ecke,
Liegt vor mir frei die Stadt, der ich gehöre;

Winsen, vom Stöckter Deich gesehen

Das Schloss erglänzt im Schein der Abendsonne, −
Wie fass' ich all' die langentbehrte Wonne.

Winsener Schloss

Und du, der Kindheit Fluss, geliebte Luh'!
Lass mich die Hand mit deinem Wasser kühlen!
Wie sonst auf klarem Sande fließest du, −
O könnt' ich wieder mich als Knabe fühlen!

Die Luhe

Die Sonne sinkt hinunter still und groß,
Da bleibt kein Trost, als innig mich versenken
In meiner Kinderzeit beglückte Stunden
Und jenes bunten Lebens zu gedenken,
Das rückwärts unerreichbar mir entschwunden.
O süßer Traum! − Was ich als Knabe sah,
Ist meinem Geist lebendig wieder nah.

Winsen, Altstadt (Wallstraße) um 1960

Der Tag mit seinem Leben will sich neigen.
Der müde Wandrer, lang' umhergetrieben,
Ruht bald erquickt am Herzen seiner Lieben.

Winsen, Altstadt (Schmiedestraße); an dieser Stelle wuchs Eckermann auf
(Auszüge aus J. P. Eckermann, Die Heimat)
(Auszüge aus J. P. Eckermann, Die Heimat)
* * *

Eckermanns Winsener Jahre − biografische Literatur

Helmuth Hinkfoth
Eckermanns Leben
in einer einfühlsamen
novellenartigen
Erzählung
>>
Eckermanns Leben, einfühlsam erzählt Eine anregende Eckermann-Biographie
Helmuth Hinkfoth
Goethes
Gesprächspartner
Eine anregende
Biografie
>>
 
* * *
«Die Stadt, der ich gehöre»

Sehenswürdigkeiten  –  ein Rundgang durch Winsen (Luhe)

Das Winsener Schloss, vor 1300 erbaut, war ab 1592 Witwensitz der Herzogin Dorothea, später Verwaltungs- bzw. Gerichts­sitz.
Das Schloss zu Winsen (Luhe) Wappen der Herzogin Dorothea am Winsener Schloss
Oberhalb des Torbogens, der den Zugang in den Innenhof des Schlosses gewährt, ist das Wappen der Herzogin Dorothea einge­lassen.
Südflügel des Schlosses, Turm der Marienkirche und das ehemalige Gerichtsgefängnis
Schlossteich mit Schloss und Turm der Marienkirche Marstall
Der am Schlossplatz gelegene Marstall beherbergt heute u.a. das Winsener Museum mit einer Ausstellung zu Eckermann.
In der St.-Marien-Kirche zu Winsen wurde J. P. Eckermann 1808 konfirmiert. Der weithin sichtbare Turm entstand erst zum Ende des 19. Jahrhunderts.
St. Marienkirche zu Winsen Lutherstatue am Turm der Marienkirche
Ein zumeist unbeachtetes Kleinod: Die Luther­statue des Winsener Bild­hauers Friedrich Meinecke aus dem Jahre 1899 an der Nordseite des Turms der Marien­kirche
Neben der Marienkirche errichtete die Stadt Winsen Johann Peter Eckermann 1954 zu seinem 100. Todestag ein Denkmal. Wegen Baumaßnahmen wurde es 2023 abgetragen. Ob und in welcher Form es je wieder aufgestellt wird, ist vollkommen ungewiss.
Eckermann-Denkmal im Stadtzentrum Winsens Zwei von vier Tafeln des Eckermann-Denkmals
Jede der vier Tafeln des inzwischen abgetragenen Eckermanndenkmals nahm Bezug auf Eckermanns Werdegang vom gelehrigen Schüler zum Verfasser der "Gespräche mit Goethe."
In der Marktstraße 18 in Winsen stand Eckermanns Geburtshaus.
In der Marktstraße stand Eckermanns Geburtshaus. Gedenktafel in der Marktstraße
Eine hoch angebrachte Gedenktafel weist auf Eckermanns Geburtshaus in der Winsener Marktstraße hin.
Schmiedestraße 17 in Winsen: Hier stand das Haus, in dem Eckermann aufwuchs.
In der Schmiedestraße wuchs Eckermann auf. Gedenktafel in der Schmiedestraße
Gedenktafel an dem Haus in der Schmiedestraße 17, in dem Eckermann seine Kindheit verbrachte
Die Luhe in der Winsener Altstadt nahe Eckermanns Elternhaus
Die Luhe in Winsen Stift St. Georg
Das frühere Stift St. Georg, südlich des Stadt­kerns. Einst Leprosenhaus, später Heim für Prövner (zahlende Pflegebedürftige); im Hintergrund die Kapelle St. Georg
Helmuth Hinkfoth (Hg.)
Erzählungen, Gedichte und
Briefe J. P. Eckermanns mit
einer Auswahl aus den
Gesprächen mit Goethe
Eckermann-Anthologie Briefwechsel Goethe - Eckermann
Helmuth Hinkfoth (Hg.)
Erstveröffentlichung
mit einer Einf­üh­rung und
zahlreichen Erläuterungen