Bei Goethe zu Tisch. [...] Wir sprachen und scherzten unbedeutende Dinge hin und her, dann fragte ich Goethe, wie es mit der Novelle stehe.
»Ich habe sie dieser Tage ruhen lassen«, sagte er, »aber eins muss doch noch in der Exposition geschehen. Der Löwe nämlich muss brüllen, wenn die Fürstin an der Bude vorbeireitet, wobei ich denn einige gute Reflexionen über die Furchtbarkeit dieses gewaltigen Tieres anstellen lassen kann.«
»Dieser Gedanke ist sehr glücklich«, sagte ich, »denn dadurch entsteht eine Exposition, die nicht allein an sich, an ihrer Stelle, gut und notwendig ist, sondern wodurch auch alles Folgende eine größere Wirkung gewinnt. Bis jetzt erschien der Löwe fast zu sanft, indem er gar keine Spuren von Wildheit zeigte. Dadurch aber, dass er brüllet, lässt er uns wenigstens seine Furchtbarkeit ahnden, und wenn er sodann später sanft der Flöte des Kindes folgt, so wird dieses eine desto größere Wirkung tun.«
»Diese Art zu ändern und zu bessern«, sagte Goethe, »ist nun die rechte, wo man ein noch Unvollkommenes durch fortgesetzte Erfindungen zum Vollendeten steigert. Aber ein Gemachtes immer wieder neu zu machen und weiter zu treiben, wie z. B. Walter Scott mit meiner Mignon getan, die er außer ihren übrigen Eigenheiten noch taubstumm sein lässt: diese Art zu ändern kann ich nicht loben.«