Johann Peter Eckermann, Gedichte

Johann Peter Eckermann
Gedichte

Die Schäferin

An einem schönen Sommertag
Kam ich weit und breit
Daher über blühende Heide.
Ein Mädchen am Busch im Schatten lag,
Ein Hündchen zur Seit ,
Dass ihre Schafe sie weide,
Ja weide.

Ich sprach zu ihr: O Mädchen sprich!
Es steht wohl weit,
Dein Haus in der blühenden Heide?
Sie sprach zu mit: Was kümmert's dich!
Wohl weit und breit
Gehn meine Schafe zur Weide,
Ja Weide.

Ich lacht' und streckte mich allgemach
An ihre Seit'
Im Schatten auf sonniger Heide.
Das schöne Mädchen lacht' und sprach:
Sei doch gescheit!
Glaubst du, dass ich das leide?
Ja leide.

Mit meinem Arm ich sie umschlang,
Fast ward mir bang
Im Schatten an ihrer Seite.
Das schöne Mädchen lacht' und sang
Ein Lied, das klang
Weithin über blühende Heide,
Ja Heide.

Und als ich ging, wie zog zurück,
So Herz als Blick,
Zu ihr auf der blühenden Heide! –
Ich ging und betete: Holdes Glück,
O, hold Geschick,
Vereinige bald uns beide!
Ja beide.

Literatur

Helmuth Hinkfoth (Hg.)
Erzählungen, Gedichte und
Briefe J. P. Eckermanns mit
einer Auswahl aus den
Gesprächen mit Goethe
Eckermann-Anthologie Briefwechsel Goethe - Eckermann
Helmuth Hinkfoth (Hg.)
Erstveröffentlichung
mit einer Einf­üh­rung und
zahlreichen Erläuterungen
Eckermanns schönste Texte
Helmuth Hinkfoth (Hg.)
Das Schönste und Beste aus Eckermanns Werken − Briefe, Gedanken und Gedichte sowie Erzählungen aus seinen Gesprächen mit Goethe