Johann Peter Eckermann, Gedichte

Johann Peter Eckermann
Gedichte

Der entfernten Geliebten, zum Geburtstage

Was soll ich dir zu deinem Tage schicken,
Von hier nach . . ., zwischen Elb' und Heide?
Perlen und Gold, dir Hals und Arm zu schmücken,
Den neusten Stoff zu einem bunten Kleide,
Gürtel, den schlanken Wuchs noch zu verschönen,
Ein Diadem, dein goldenes Haar zu krönen?

Fast könnte Liebe mich dazu verführen;
Doch meine Liebe lässt es nicht geschehn.
Ich bin besorgt, mein Bestes zu verlieren,
Erschien es andrer Augen gar zu schön.
Vom Raub der Helena würde niemand lesen,
Wär' Helena nicht gar zu schön gewesen.

Gefällst du gar zu sehr den dort'gen Herrn,
Wirst du zu Gegenliebe leicht verflochten.
Dich sieht, ich weiß, der reiche Amtmann gern;
Der Obrist, der bei Waterloo gefochten;
Des Neffen Herz hast du im Tanz gerühret;
Bei Tisch den Offizier, der neulich durchpassieret.

Und wenn dir das schon ohne Schmuck gelungen,
Was würde nicht geschehn, wärst du geschmückt!
Drum hab' ich bloß dir dies Gedicht gesungen,
Und dich zu schmücken weiter nichts geschickt.
Ja, tätest du erst recht nach meinem Willen,
Du würd'st in Mäntel dich und Schleier hüllen.

Hab' ich doch schon um dich seit sieben Jahren,
Und länger schon, Gott weiß! wie schwer gestrebt;
Nun möcht' ich gern dich unberührt bewahren,
Mir, der für dich mit einz'ger Treue lebt,
Ja leidet; nicht, wie Jakob, nah dem Sterne,
Nein, hier in fünfzig Meilen weiter Ferne!



Vermutlich Eckermanns Braut Johanne Bertram gewidmet. Sie lebte zu der Zeit in Bleckede (Elbe).
(Anm. d. Hg.)
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Literatur

Helmuth Hinkfoth (Hg.)
Erzählungen, Gedichte und
Briefe J. P. Eckermanns mit
einer Auswahl aus den
Gesprächen mit Goethe
Eckermann-Anthologie Briefwechsel Goethe - Eckermann
Helmuth Hinkfoth (Hg.)
Erstveröffentlichung
mit einer Einf­üh­rung und
zahlreichen Erläuterungen
Eckermanns schönste Texte
Helmuth Hinkfoth (Hg.)
Das Schönste und Beste aus Eckermanns Werken − Briefe, Gedanken und Gedichte sowie Erzählungen aus seinen Gesprächen mit Goethe