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Johann Peter Eckermann - Gespräche mit Goethe (5)

(Goethe über das Liebenswerte an einer jungen Frau)
(Band 3)
Freitag, den 2. Januar 1824.

Bei Goethe zu Tisch in heiteren Gesprächen. Eine junge Schönheit der weimarischen Gesellschaft kam zur Erwähnung, wobei einer der Anwesenden bemerkte, dass er fast auf dem Punkt stehe, sie zu lieben, obgleich ihr Verstand nicht eben glänzend zu nennen.

»Pah! sagte Goethe lachend, als ob die Liebe etwas mit dem Verstande zu tun hätte! Wir lieben an einem jungen Frauenzimmer ganz andere Dinge, als den Verstand. Wir lieben an ihr das Schöne, das Jugendliche, das Neckische, das Zutrauliche, den Charakter, ihre Fehler, ihre Kapricen, und Gott weiß was alles Unaussprechliche sonst; aber wir lieben nicht ihren Verstand. Ihren Verstand achten wir, wenn er glänzend ist, und ein Mädchen kann dadurch in unsern Augen unendlich an Wert gewinnen. Auch mag der Verstand gut sein, uns zu fesseln, wenn wir bereits lieben. Allein der Verstand ist nicht dasjenige, was fähig wäre, uns zu entzünden und eine Leidenschaft zu erwecken.«

Man fand an Goethes Worten viel Wahres und Überzeugendes und war sehr bereit, den Gegenstand ebenfalls von dieser Seite zu betrachten.

Nach Tisch und als die Übrigen gegangen waren, blieb ich bei Goethe sitzen und verhandelte mit ihm noch mancherlei Gutes.
[...]


(Eckermann, Gespräche mit Goethe. An gekennzeichneter Stelle gekürzt; Überschrift und Nummerierung vom Herausgeber eingefügt)

Literatur
Eine Anthologie mit den Glanzlichtern aus den "Gesprächen mit Goethe" und dem Besten aus anderen Werken Eckermanns: Eckermann-Anthologie
Helmuth Hinkfoth (Hg.)
Erzählungen, Gedichte,
Briefe und Reflexionen
Johann Peter Eckermanns

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